Welches Pseudonym ist das richtige? Und wie finde ich es? Was sagt der Verleger dazu? Und was mein Anwalt?
Mit den Namen ist es so eine Sache. Nicht jeder liest gern von sich im Internet, nicht jeder sieht gern seinen Namen auf einem Buchdeckel. Vor allem, wenn unter dem eigenen Namen etwas steht, das man nur bedingt vertreten mag.
Hat man beispielsweise für einen gut zahlenden Auftraggeber ein unliebsames Projekt über die Bühne gebracht (Por*o, Waffenhandel, Tierversuche etc.), will man ja nur in den seltensten Fällen damit später in Verbindung gebracht werden.
Und dann gibt es ja noch die Gruppe von Menschen, die einfach nicht möchten, dass ihr eigener, geringgeschätzter Name (Matthias Müller bspw.) mit ihrer Arbeit in Verbindung gebracht wird.
Die Interessen dieser beiden Gruppen stehen sich diametral entgegen, doch trotzdem gehen sie den gleichen Weg. Sie legen sich ein Pseudonym zu, damit niemand erkennen kann, welcher Name und welche Persönlichkeit eigentlich wirklich hinter einem Projekt steckt.
Wie findet man sein Pseudonym?
Ein Pseudonym zu finden ist gar nicht so leicht. Man hat ja sooo viel Auswahl. Selbst wenn man sprachlich sehr begrenzt ist, weil man beispielsweise nach einem Pseudonym für einen Heftromanautoren sucht, gibt es schier unendlich viele Möglichkeiten. Grad für diesen Fall hab ich aber eine Lösung gefunden, nämlich einen Pseudonym-Generator, der prima Heftromanautorennamen ausspuckt.
Da es nicht so leicht ist, sich zu entscheiden, hilft es, jemanden zu Rate zu ziehen. Die eigene Verwandtschaft, Freunde und Bekannte. Mir selber hilft das allerdings nicht, die Flut von Meinungen erschlägt mich regelmäßig. Das Bedürfnis alle Argumente abzuwägen und es dann noch jedem Recht zu machen, lassen mich in tiefer Depression versinken.
Also bleibt nur den eigenen Stiefel durchzuziehen, sich ein Pseudonym auszusuchen, das passend erscheint und sich daran zu gewöhnen. Grad am Anfang ist das schwer. Solange man nichts ernsthaftes veröffentlich kann man es jederzeit ändern, ohne dass das jemand merkt. Und so springt man zwischen den Varianten hin und her und verliert einen Haufen Nerven. Frühzeitig entscheiden heißt also die Devise.
Literaturagenten und Verleger haben übrigens oft eine ganz spezielle Meinung zum Thema Künstlername. Der selbstgewählte Name kommt eigentlich nie gut an. Tja, wer das Geld gibt, bestimmt, also sollte man bei ernsthaften Veröffentlichungsabsichten lieber gleich in die mystische Glaskugel “Verlag” schauen. (Spart nämlich wiederum Nerven.)
Und nicht meckern über den Namen, der da kommt. Bekanntlich kann man sich an seeeehr vieles gewöhnen. Lieber mal das Ego ausschalten und ein bisschen Vertrauen in die Fachleute haben, meistens wissen die ja ganz gut, was sie tun.
Die rechtliche Seite
Bei der aufwändigen Pseudonymsuche im Netz, in Telefonbüchern oder in der Verwandtschaft gilt es natürlich immer eventuell schon vorhandene Rechte zu beachten. Also wer den Namen zuerst hat, darf ihn auch behalten. Ein anderer sollte ihn dann nicht verwenden, egal wie schön, symbolträchtig, aufgeladen er so ist.
Übrigens, die Eintragung in Personalausweis und Reisepass ist wieder möglich! Dafür braucht es allerdings eine Bescheinigung, dass man tatsächlich als Künstler unterwegs ist. (Vielleicht reicht dafür die Mitgliedschaft in der Künstlersozialkasse?)

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